Mittwoch, 25. März 2026

Schiefe Möbel, große Gefühle und Wein aus Müslischüsseln

 

Das Jahr 2025 begann für mich nicht erst im Januar, sondern in dem Moment, in dem ich die ersten Kartons in die neue Wohnung trug. Es war Winter, es war kalt, und ich schleppte nicht nur mein Leben von A nach B, sondern auch eine Traurigkeit, die sich nicht wegorganisieren ließ. Schon damals liefen mir die Tränen, während ich funktionierte. Im Februar zog ich endgültig um, und mit mir zog eine Stille ein, die ich so nicht kannte. Alleinsein bekam plötzlich ein Gewicht.

Als Stier habe ich immer geglaubt, dass Kontrolle Sicherheit bedeutet. Ich habe geplant, organisiert, vorausgedacht. Ich wusste, was als Nächstes kommt, und darauf konnte ich mich verlassen. Dieses Jahr hat mir genau das genommen. Schritt für Schritt, leise, aber konsequent. Die neue Wohnung war nicht nur ein Ortswechsel, sondern ein innerer Umbruch. Alte Muster wurden sichtbar, emotionale Abhängigkeiten, die ich lange übersehen oder entschuldigt hatte. Loslassen fühlte sich nicht nach Freiheit an, sondern nach Kontrollverlust – und genau das machte es so schwer.

Gleichzeitig begann dieses Jahr mit meinem ganz persönlichen Beweisdrang. Ich wollte zeigen, dass ich alles alleine kann. Wirklich alles. Ich baute Schränke falsch zusammen – natürlich erst, nachdem ich sie voller Überzeugung montiert hatte – bekam einen Stromschlag, weil nach Hilfe fragen keine Option war, und erklärte mir innerlich, dass Scheitern keine Alternative ist. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich stark bin. Dass ich niemanden brauche. Dass ich als Mutter alles halte, alles schaffe, alles trage.

Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich dieses Leben auch ohne Bedienungsanleitung schaffe. Dass ich Möbel aufbauen kann, Entscheidungen treffe und Verantwortung trage, ohne jemanden zu brauchen, der sagt, wie es geht. Hilfe annehmen fühlte sich nach Abkürzung an – und ich wollte den ganzen Weg gehen. Also stand ich zwischen schiefen Regalen, Kartons und Ehrgeiz, trank Wein aus einer Müslischüssel und.dachte mir: Ich werde das überleben. Vielleicht nicht elegant. Aber lebendig.

Selbst Lego bauen mit meinem Kind wurde überraschend zum inneren Großprojekt. Früher war es eben ein Männer Ding. Ein winziges Teil war falsch angebracht – kaum sichtbar, aber emotional eine Katastrophe. Plötzlich stand nicht nur das Lego, sondern mein gesamtes Selbstbild auf dem Spiel. Ich schwankte irgendwo zwischen ehrgeizigem Durchhalten, leiser Verzweiflung und dem starken Bedürfnis, dieses eine Teil jetzt verdammt nochmal richtig einzubauen. Nicht wegen des Legos. Sondern weil es sich anfühlte wie eine Lebensfrage: Ich schaffe das. Für mich. Für meine Mozzarellakugel. Für den inneren Frieden.

Während ich all das versuchte zu kontrollieren, passierte das Leben einfach weiter. Ich traf Menschen. Viele. Fremde Persönlichkeiten, kurze Begegnungen, ehrliche Gespräche. Nicht alle blieben, aber jeder hinterließ etwas. Manche Leichtigkeit. Manche Erkenntnis. Manche einfach das Gefühl, zur richtigen Zeit nicht allein gewesen zu sein.

Zwischen all dem bin ich gereist. Nicht um Ordnung zu schaffen, sondern um mich selbst wieder zu spüren. Spontane Entscheidungen, Momente aus dem Bauch heraus. Augenblicke, in denen mein Herz laut „Aha!“ rief. Kontrolle loslassen – so fühlt sich das also an. Ich sprang ins kalte Wasser, ohne zu wissen, ob ich schwimme oder untergehe. Spoiler: Ich schluckte viel Wasser. Sehr viel. Und ja, manchmal wäre es sicherer gewesen, mir Schwimmflügel aufzupusten. Aber dieses Jahr war zu wild, zu dynamisch, zu schnell. Ich hatte kaum Zeit, stehen zu bleiben.

Das Jahr 2025 war voller Emotionen, die ich in dieser Intensität nicht kannte. In meinem Herzen tanzten Wut und Freude miteinander, manchmal gleichzeitig, manchmal so widersprüchlich, dass ich mich selbst kaum wiedererkannte. Es war laut in mir, ungeordnet, lebendig. Und ja – ich habe mich gefragt, ob das noch normal ist oder ob ich verrückt geworden bin.

Dann gab es diesen Moment, der alles langsamer machte. Unter meiner Aufsicht hat meine Mozzarellakugel den Arm gebrochen, plötzlich ein Warten, ein Aushalten, ein Dasein. Für die Welt vielleicht nur ein kurzer Einschnitt, für mich ein Moment, in dem mir bewusst wurde, wie wenig sich manches planen lässt. Mein Mutterherz ist gebrochen. Ich saß da mit all meiner Liebe, meiner Sorge und dem Wunsch, alles abnehmen zu können – und musste akzeptieren, dass es Situationen gibt, in denen Präsenz wichtiger ist als Kontrolle. Das war ungewohnt. Und es war schwer.Letzendlich wurde ich durch mein Kind getragen. Er fragte mich am nächsten Tag, ob ich auch einen Gips brauchen würde für mein Herz und mir wurde bewusst wieder, wie viel diese kleine Seele täglich aufsaugt.

Gerade in dieser Zeit begann ich, mich anders zu sehen. Nicht als die, die immer alles zusammenhält, sondern als Mensch, der fühlen darf. Ich verstand, dass Sicherheit nicht daraus entsteht, alles im Griff zu haben, sondern daraus, da zu bleiben, auch wenn man nichts lösen kann. Dass Gefühle kein Zeichen von Schwäche sind. Dass Wut, Freude, Angst und Hoffnung nebeneinander existieren dürfen. Dass ich nicht verrückt war – sondern offen.

Und als wäre all das noch nicht genug, musste ich auch beruflich meinen Weg neu sortieren. Spontan. Ungeplant. Ich stand da wie einbetoniert. Ich, die immer gemacht hat. Die sich in Arbeit verloren hat. Die genau das gebraucht hat, um sich sicher und wertvoll zu fühlen. Diesen Ballast loszulassen war schlimmer, als ich gedacht hätte. Es tat weh. Es riss etwas auf. Und gleichzeitig öffnete sich etwas Neues. Ich hätte nie gedacht, dass eine andere Entscheidung mein Herz so viel weiter machen kann. Aber hier bin ich. Und es wächst.

Heute glaube ich, dass das Leben immer einen Plan hat – auch wenn er selten geradlinig verläuft. Manchmal nimmt es Umwege. Manchmal schickt es Menschen nur für ein Stück des Weges. Manche bleiben. Manche gehen. Ich war nie gut im Loslassen. Ich halte fest, oft viel zu lange, an dem, was einmal war. Dieses Jahr hat mich genau darin geprüft. Es hat mir Dinge genommen, bevor ich bereit war, und mir gezeigt, dass Gehenlassen nicht bedeutet, zu verlieren, sondern Platz zu schaffen.

 

Ich habe dieses Chaos überlebt. Die falschen Entscheidungen. Die Tränen. Die schiefen Möbel. Die inneren Kämpfe. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich dabei etwas erschaffen. Ein Leben, das nicht perfekt ist, aber echt. Einen Raum, in dem ich atmen kann. Einen Alltag, der mir gehört.

Jetzt möchte ich mich zurücklehnen. Nicht mehr alles planen. Nicht mehr alles organisieren. Nicht mehr alles absichern. Ich möchte ankommen. Ich möchte genießen, was ich mir aufgebaut habe. Und vielleicht zum ersten Mal einfach eine Umarmung annehmen, ohne zu überlegen, ob ich sie brauche oder verdiene.

Ich bin bereit.
Bereit, dem Leben zu vertrauen.
Bereit, mich überraschen zu lassen.

Und alles, was zu mir kommen will, werde ich mit offenen Armen empfangen.

2026 wird spannend. Ich habe keine Ziele, keine Vorsätze. Die AGBs hätte ich gern gelesen, aber anscheinend ist das kein Feature. Also Kontrolle abgeben, tief durchatmen und einfach mal mitfahren.

Montag, 26. Januar 2026

Wenn das Zuhause zerbricht - und ein neues wächst

„Wie soll ich jemals einen Menschen loslassen können, wenn ich nicht einmal eine zu kleine Hose weggeben kann?“

Ich habe neulich meinen Kleiderschrank ausgemistet – und dabei ist mir etwas bewusst geworden: Wie soll ich jemals einen Menschen loslassen können, wenn es mir schon schwerfällt, eine zu enge Hose auszusortieren, aus der ich längst rausgewachsen bin? Warum fällt es mir so schwer, jemanden loszulassen, der nicht mehr zu meinem Leben passt? Sollte Loslassen nicht leichter sein als Festhalten?

Ich habe oft darüber nachgedacht, warum es mir so schwerfällt, diese Ehe hinter mir zu lassen. Vielleicht, weil es keinen klaren Grund gab. Es war kein großer Streit, kein Betrug, kein dramatischer Schlussstrich. Es war einfach das leise, unaufhaltsame Auseinanderdriften zweier Menschen, die irgendwann aufgehört haben, sich wirklich zu sehen. Wir lebten nebeneinander her, funktionierten im Alltag, organisierten gemeinsam das Familienleben – aber wir waren kein Paar mehr. Und genau das machte es so schwer, zu gehen. Ich bin ein Mensch, der Dinge zu Ende bringt. Ich brauche Struktur, Gründe, Antworten. Und ich bin Stier. Ich ziehe Dinge durch. Aufzugeben ist für mich keine Option. Und doch war ich genau an diesem Punkt. Nur diesmal lag es nicht in meiner Hand.

Als mein Partner irgendwann sagte, dass er nicht mehr möchte, dass er sich ein Leben ohne mich besser vorstellen kann als ein gemeinsames Weitergehen, war das wie ein tiefer Schnitt. Ich habe diesen Moment bis heute nicht vergessen. Denn obwohl ich innerlich längst gespürt hatte, dass wir uns entfernt hatten, tat es unglaublich weh, es ausgesprochen zu hören. Es war dieser eine Satz, der alles verändert hat. Ich wusste sofort: Wenn mich jemand nicht mehr an seiner Seite haben will, kann ich nicht bleiben. Nicht aus Stolz. Nicht aus Trotz. Sondern weil ich mich als Priorität gesehen habe. Mein Herz hat sich für immer verschlossen und das war ihm bewusst. Damals waren die Wörter schneller als sein Herz. 

Von außen ist es leicht zu sagen: „Lass los. Hör auf zu weinen. Schau nach vorn Flora.“
Aber die Menschen haben nur meine Tränen, meine Wut, meinen Schmerz gesehen– nicht die Geschichte dahinter. Nicht die Liebe, nicht die gemeinsamen Siege und Niederlagen. Nicht das Lachen bis tief in die Nacht. Sie sehen nicht, wie wir gemeinsam durch schwere Zeiten gegangen sind. Sie sehen nur das, was übrig blieb, als längst schon alles zerbrochen war. Nur die Trümmer. Nicht das, was einmal stand.

Dann kommen die Urteile. Warum ich so lange gebraucht habe, um loszulassen. Aber niemand sieht, was ich alles verloren habe. Nicht nur ihn. Auch einen Teil von mir. Ein Stück Zukunft, an das ich geglaubt habe. Für mich. Und für unsere Mozzarellakugel.

Die schwerste Rolle meines Lebens war es, als Mutter den Anschein zu wahren, dass alles in Ordnung ist, während in mir längst etwas zerbrach. Ich wusste es damals – dies war unser letzter Familienurlaub. Unser letztes gemeinsames Weihnachten. Unser letztes Bild als Familie, auf dem wir wie ein Team wirkten. Und ich wollte es festhalten. Mit aller Kraft.

Was dann kam, war wie ein Sturm. Der Umzug. Die organisatorischen Herausforderungen. Das emotionale Chaos. Die Nächte, in denen ich kein Auge zubekam, weil ich in Tränen ertrunken bin. Ich hatte das Gefühl, in meinem eigenen Leben unterzugehen. Ich fühlte mich wie eine Versagerin. Für mich selbst. Aber vor allem für mein Kind.

Ich bin jemand, der sich in ihrem Leben alles erarbeitet hat. Ich setze mir Ziele und erreiche sie. Ich lasse mich nicht unterkriegen egal was passiert. Und plötzlich stand ich vor dem Scherbenhaufen einer Ehe, die ich nicht retten konnte. Es fühlte sich an, als hätte ich das wichtigste Projekt meines Lebens nicht zu Ende gebracht. Und das ließ mich an mir selbst zweifeln. Tief und anhaltend.

Ich wollte meinem Sohn ein Zuhause geben, das stabil ist, liebevoll, geborgen. Ich wollte nicht, dass er das erlebt, was ich als Kind erlebt habe – diese stille, angespannte Traurigkeit hinter verschlossenen Türen. Ich erinnere mich bis heute daran, wie ich Menschen mit verweinten Augen gesehen habe. Ich spürte damals schon mehr, als gut für ein Kind ist. Ich hatte mir geschworen: Mein Kind soll das nie fühlen. Und doch kam ich an genau diesen Punkt. Ich wurde zu der Mutter, die innerlich zerbrach – und es kaum mehr verbergen konnte. Meine Tränen fließen.

Ich war erschöpft vom Aushalten, vom Erklären, vom Kämpfen und nach der Suche nach Antworten, die bis heute unbeantwortet geblieben sind. Gleichzeitig wollte ich stark sein, funktionieren, irgendwie überleben. Also arbeitete ich. Viel. Nicht, weil es nötig war. Sondern weil es mich gerettet hat. Die Arbeit hat mir Struktur gegeben. Einen Zweck. Eine Ablenkung. Wenn ich beschäftigt war, musste ich nicht fühlen. Und wenn ich nicht fühlte, konnte ich durchhalten.

Viele fragten mich, warum ich so viel arbeite, warum ich mich in so viele Projekte stürze, warum ich neue Sprachen lerne, mich mit neuen Aufgaben überfordere. Die Antwort ist einfach: Es ist meine Art zu überleben. Ich muss mich bewegen, ich muss lernen, ich muss leisten. Es sind vielleicht alte Trigger. Als Kind fühlte ich mich nicht genug. Als Ehefrau auch nicht. Jetzt, als Alleinerziehende, will ich mir selbst beweisen, dass ich es schaffe. Ich lenke mich ab – nicht, weil ich schwach bin. Sondern weil ich so stark bin, dass ich mir auf anderen Wegen wieder Stabilität schaffe.

Heute, mit etwas Abstand, bin ich sogar dankbar für seine Entscheidung.
Denn wie hätte ich als Kind Fahrradfahren gelernt, wenn mich niemand losgelassen hätte? Es tat weh. Es war beängstigend. Aber irgendwann kam die Akzeptanz. Und mit ihr das Bewusstsein, dass ich diesen Menschen nicht mehr an meiner Seite will. Nicht aus Hass. Nicht aus Wut. Sondern weil ich erkannt habe: Ich bin gewachsen. Und er auch. Nur in unterschiedliche Richtungen.

Wir müssen wohl beide unseren imaginären Kleiderschrank ausmisten.

Er war so lange mein Mensch. Ich habe zu ihm aufgesehen. Wir sind gemeinsam gewachsen. Aber wie bei meiner alten Jeans – wir sind rausgewachsen. Jeder für sich. Irgendwann hatten wir nicht mehr dieselben Träume, dieselben Ziele, dieselbe Sprache.

Ich erinnere mich gerne an die Zeiten, in denen ich mich in seinen Armen sicher gefühlt habe. Aber fast noch klarer erinnere ich mich an die Abende, an denen ich geweint habe. An die Nächte, in denen ich dachte, ich sei nicht genug. Vielleicht war er müde. Vielleicht überfordert. Vielleicht hat er einfach anders geliebt. Ich will keine Schuld verteilen. Wir wissen wir haben unser bestes gegeben und für unsere Mozzarellakugel sind wir immer noch verwachsen ineinander.

Jetzt, 16 Monate nach der Trennung, sitze ich hier und versuche, all das aufzuschreiben. Und ich merke, wie schwer es mir immer noch fällt. Nicht mehr so roh und unkontrolliert wie damals – aber die Gefühle sind noch da, spürbar, ehrlich, tief. Wenn ich lese, was ich vor einem Jahr geschrieben habe, erkenne ich mich kaum wieder. Da war so viel Stolz, so viel Enttäuschung, so viel Schmerz. Und doch: Es war echt. Es war meine Wahrheit – zu diesem Zeitpunkt.

Heute kann ich auch seine Sicht besser verstehen. Es hat Zeit gebraucht, Abstand, Reflexion. Meine Oma sagte immer: „Wer heilt, hat recht.“ Und genau das ist es. In unserem Fall hatten wir wohl beide recht. Wir sind beide auf unsere eigene Art dabei, zu heilen – jeder für sich, in seinem eigenen Tempo, auf seinem eigenen Weg.

Ich sehe mich heute mit anderen Augen. Ich sehe eine Frau, die gelernt hat, sich selbst wichtig zu nehmen. Die sich und ihrem Kind ein neues Zuhause geschaffen hat – vielleicht nicht perfekt, aber dafür ehrlich, sicher und voller Liebe. Eine Frau, die wieder lacht, auch wenn sie manchmal noch weint. Eine Frau, die sich nicht mehr schämt für das, was war, und die nicht mehr zulässt, dass das, was sie erlebt hat, ihren Wert bestimmt.

Ich bin nicht gescheitert. Ich bin gewachsen.
Ich bin nicht schwach. Ich bin menschlich.
Ich habe nicht verloren – ich habe ein neues Zuhause geschaffen. Nicht mehr zu dritt, aber zu zweit. Mein Sohn und ich – wir sind ein Team. Ein starkes, liebevolles Team. Vielleicht nicht das Bild, das ich mir früher einmal erträumt habe, aber genau das, was heute zählt: Wir.

Ich habe gehofft. Ich habe durchgehalten. Ich habe immer wieder das Gespräch gesucht, Themen angesprochen, gewartet, gehofft, dass sich etwas verändert. Am Ende haben wir einander nicht mehr wirklich verstanden. Und trotzdem schaffen wir es heute, uns als getrennte Menschen gegenseitig Kraft zu geben – nicht wie früher, aber auf eine Weise, die echt ist. Und dafür bin ich dankbar. Aufrichtig.

Ich habe ihn nicht über Nacht aufgehört zu lieben. Aber als er mir sagte, dass ich nicht mehr erwünscht bin, wusste ich: Jetzt muss ich mich selbst wählen. Es war der Moment, in dem ich erkannt habe, dass ich für mich losgehen muss. Dass mein Herz nicht bleiben kann, wo es nicht mehr willkommen ist.

Heute weiß ich: Wer mich nicht hören will, wird es auch nicht tun, selbst wenn ich schreie.
Aber wer mich wirklich verstehen will, hört mich – auch wenn ich schweige.

Das war nie mein Plan.
Ich wollte ein Zuhause. Mit zwei Eltern. Ein gemeinsames Team. Ich habe mich sehr bemüht, diesem Idealbild der perfekten Familie gerecht zu werden – und habe dabei meine eigenen Gefühle lange auf die Ersatzbank gesetzt.

Und doch sehe ich heute klarer.
Nicht, weil alles plötzlich leicht ist. Sondern, weil ich gelernt habe, dass meine Wahrheit, mein Wert und meine Stärke nicht davon abhängen, ob ich ein Bild erfülle.

Ich bin heute Mutter – ohne den Ehemann an meiner Seite. Und ich erkenne, dass diese Erfahrung zu den stärksten, ehrlichsten und erfüllendsten meines Lebens gehört. Nicht, weil sie einfach war. Sondern weil sie mich zu mir selbst geführt hat.

Die schwerste Zeit meines Lebens war eine andere – meine Krankheit, mein Weg zur Heilung. Doch diese Trennung, dieser Neuanfang, war einer der ehrlichsten Prüfsteine meines Herzens. Vielleicht habe ich nicht mehr das Team, das ich mir für mein Kind gewünscht habe – aber ich habe ihn.

Er ist mein Team. Er ist mein Zuhause.
Mein perfektes Zuhause.

Und das ist mehr als genug.



Mittwoch, 1. Januar 2025

Zwischen Abschied und Neubeginn

Ein Jahr voller Wendepunkte, leiser Abschiede und innerer Heilung.

Als das Jahr begann, dachte ich, dass alles klar und sonnig werden würde – voller Hoffnung und Pläne. Doch das Leben hatte andere Wege, uns zu überraschen. So fand ich mich in den letzten Monaten auf einem Weg, der viele Wendungen nahm. Ein Jahr voller Prüfungen, aber auch der Stille, in der ich mich selbst neu fand. Das vergangene Jahr war von Gefühlen geprägt, die ich nicht in Worte fassen konnte, von Veränderungen, die in der Luft lagen, aber nie ausgesprochen wurden. Manchmal geht ein Weg ohne großes Aufsehen auseinander – nicht durch einen dramatischen Knall, sondern durch ein leises Verblassen, das unbemerkt bleibt. Auch ich habe mich verändert und dabei einen Teil von mir verloren. Manche Verbindungen zerflossen, wie Schnee, der in der Sonne schmilzt. Andere hinterließen tiefe Spuren, Wunden, die in ihrer Tiefe lange nicht zu heilen schienen.

Schon lange hatte ich ein distanziertes Verhältnis zu meiner Familie, doch 2024 habe ich endlich gelernt, es zu akzeptieren. Ich brauche keine Dramen mehr in meinem Leben.

Das junge Mädchen, das ich früher war, wird nun von der Stärke der Frau getragen und beschützt, die ich heute bin. Meine Nachtragendheit ist eine gefährliche Eigenschaft, doch ich schätze sie sehr in mir.

Vielleicht war es vor allem das Verdrängen der Wahrheit, denn tief in mir tut es immer noch weh. Ich habe versucht, die richtigen Antworten zu finden, so wie früher, als ich versuchte, einen Luftballon mit Papier und Leim zu einem festen Ganzen zu formen. Doch diesmal werde ich den Ballon nicht zerplatzen lassen, um das Ergebnis sofort zu sehen. Ich werde geduldig warten, dass er trocknet. Denn in den letzten Jahren war das genau mein Problem – ich hatte keine Geduld mit mir selbst.

Ich habe dieses Jahr längst erkannt, was tief in mir verborgen war: Etwas passt nicht mehr, und manchmal ist Loslassen der einzige Weg, um weiterzukommen. Doch dieser Abschied erforderte viel Mut. Als Mutter war dieser innere Konflikt noch viel schwieriger. Die Balance zwischen Stabilität und dem Straucheln im eigenen Leben zu finden, ist eine der größten Herausforderungen. Oft fühlte ich mich hin- und hergerissen zwischen dem Drang, stark zu sein, und dem Wunsch, einfach nur glücklich zu sein.

Dieses Jahr hat nicht nur die Gegenwart erschwert, sondern auch alte Wunden der Vergangenheit wieder zum Vorschein gebracht.

Besonders schwer fiel es mir, mich in Situationen zu fügen, in denen ich mich nicht mehr gesehen habe, in denen ich gezwungen wurde, eine Rolle zu spielen, die nicht zu mir passte. Wenn ich in solche Situationen gerate, werde ich fast schon egoistisch, um mein Überleben zu sichern. In diesem Jahr wurde ich auf genau diese Weise von der Person, die mir am nächsten stand, auf die Probe gestellt. Dieser Schatten hat einen großen Teil meines Lebens ab diesem Zeitpunkt bestimmt, vor allem jetzt als Mutter. Am schwersten wiegt es, wenn ich kein Verständnis erfahre und keine tröstenden Worte finde – im Gegenteil, oft fehlt das Mitgefühl.

Mein innerer Kampf, all diese widersprüchlichen Gefühle zu ordnen, fühlte sich oft wie Selbstverletzung an, weil ich mit meinen 31 Jahren nicht in der Lage war, für mich selbst einzustehen und meinen Standpunkt klarzumachen. Als ich es dann tat, wurde ich noch tiefer verletzt. Stiere sind bekannt für ihre Sturheit und Nachtragendheit. Wenn mich jemand verletzt, dann wird es das letzte Mal gewesen sein. Vertrauen kann nicht mehr entstehen. Es ist keine besonders schöne Eigenschaft, doch mein inneres Kind schrie lauter als je zuvor, und ich habe dieser Stimme zugehört.

Es gab viele Momente, in denen ich gezweifelt habe: Mache ich alles richtig? Genügt die Verbindung, die ich zu meiner Mozzarellakugel aufbaue? Oder wiederhole ich unbewusst die Fehler, die mir selbst so wehgetan haben? Jeder Blick, jedes Lächeln meines Kindes erinnert mich daran, wie wichtig es ist, präsent zu sein, auch wenn ich selbst nicht immer die Kraft dafür habe. Diese Frage, ob ich genug gebe und genug bin, ist der größte Trigger für mich. Ohne die Rückmeldung von außen versuche ich mein Bestes zu geben– trotz der Müdigkeit nach langen Arbeitstagen, trotz der emotionalen Erschöpfung und der ständigen Balance zwischen Erziehung, Partnerschaft und der Suche nach meinem eigenen Glück und Selbstverständnis. Ich bastle, lache, tröste und liebe, weil ich will, dass mein Kind all das erfährt, was mir selbst oft verwehrt blieb.

In diesem Jahr habe ich viele Kämpfe verloren, was eigentlich untypisch für mich ist. Normalerweise kämpfe ich bis zum letzten Atemzug, aber dieses Mal war es anders. Ich konnte die Wut, die Trauer und die Enttäuschung nicht mehr schlucken, ohne zu ersticken. Und zwischen all den Prüfungen habe ich etwas Wertvolles entdeckt: den Willen zur Heilung. Ich habe gelernt, den Raum für die Heilung zu schaffen – nicht durch hektisches Handeln, sondern durch Akzeptanz. Es ist der Mut, nicht nur von äußeren Bindungen loszulassen, sondern auch von den Geschichten, die ich mir selbst erzählt habe. Schritt für Schritt arbeite ich mich durch die Erlebnisse. Manchmal bin ich wütend, manchmal traurig und manchmal einfach nur erschöpft von all den Gefühlen. Doch ich weiß, dass dieser Weg notwendig ist, um zu mir selbst zurückzufinden.

Ich habe akzeptiert, dass es irgendwann der Moment kommen wird, mich von alten Lasten zu befreien und einen gesunden Raum für mich und mein Kind zu schaffen, ohne von anderen zu einer Entscheidung gedrängt zu werden. Ich möchte niemandem hinterherlaufen, mich nicht ständig erklären oder versuchen, meinen Wert zu beweisen. In meiner Kommunikation habe ich mich oft verloren, bin an meine Grenzen gestoßen und habe resigniert. Doch ich habe gelernt, dass das größte Gut des Lebens seine Endlichkeit ist – und ich möchte endlich glücklich sein. 

Ab jetzt möchte ich mich nicht mehr verpassen.

Der Weg vor mir ist noch lang, aber er fühlt sich nun klarer an. Ich will mir selbst die Erlaubnis geben, einfach zu sein. Ohne Erklärungen, ohne Entschuldigungen, ohne den Drang, mich zu beweisen. Ich will mehr Raum für mich selbst schaffen, neue Aspekte meiner Persönlichkeit entdecken und vor allem: Ich will wieder lernen, das Leben zu genießen. Ich will aufhören, in der Vergangenheit zu leben, und stattdessen die Gegenwart umarmen – mit all ihren Herausforderungen und Wundern. Denn am Ende des Tages geht es nicht darum, wer ich in den Augen anderer bin, sondern wer ich für mich selbst bin.
 
Ich habe keine Lust mehr auf leere Diskussionen, keine Zeit mehr für Menschen, die meine Energie rauben. Ich wähle die Stille und die Klarheit, die sie mit sich bringt. Mein Herz hat entschieden, dass es an der Zeit ist, Frieden zu finden – und dieser Frieden beginnt in mir selbst.
 
Das neue Jahr wird mein Jahr der Selbstliebe. Ich werde lernen, meine eigenen Grenzen zu respektieren und mich stolz für alles zu feiern, was ich bereits erreicht habe. Ich werde mich selbst lieben, wie ich es verdiene. Und ich werde meiner eigenen Stimme vertrauen, der Stimme, die mich an meine wahre Stärke erinnert. Das Leben ist zu kurz, um es mit Zweifeln und Angst zu verschwenden. Es ist an der Zeit, die Version von mir zu leben, die ich immer sein sollte.
Ich gehe mit Hoffnung und Mut ins neue Jahr, bereit, mich selbst wiederzufinden und ein Leben zu erschaffen, das mich erfüllt – tief in meinem Inneren. Für mein Kind, für mich und für die Zukunft, die ich uns wünsche.

Samstag, 30. Dezember 2023

2024, ich bin bereit!

2023 war ein seltsames und lehrreiches Jahr.
Vieles von dem, was ich die letzten Jahre gemacht habe, hat dieses Jahr nicht mehr so gut funktioniert.
Oder habe vielleicht ICH nicht mehr so gut funktioniert?
Mein 2023 war geprägt von Themen, die nach außen nicht besonders sichtbar waren. Und nun ist das Jahr plötzlich schon fast vorbei. Jeder scheint in Hektik zu sein, Ziele setzen und neue Pläne machen. So vieles musste liegen bleiben. Plötzlich fange ich an zu schwitzen und das unangenehme Gefühl von schlechtes Gewissen kriecht in mich hoch. Ich durchforste meine Erinnerungen, wie eine Schatzsucherin. Was habe ich erreicht? Welche Abenteuer haben mich geprägt? Was tat mir gut und wovon habe ich mich distanziert?
Das wird kein schneller Durchlauf, eher ein intensiver Blick in den Rückspiegel.
Fakt ist, jedes Jahr hatte seine eigenen Probleme und Herausforderungen, so wie auch dieses.

Das Jahr hat für mich mit einer Teilzeit Stelle angefangen, leider musste ich feststellen, dass meine Balance und Positivität mehr und mehr aus dem Gleichgewicht gerät. Mehr Arbeit, weniger Zeit, keine Wertschätzung und missverständliche Kommunikation. Dazu noch der eigene Anspruch an mich selbst. Ich brauche Harmonie, um zu wachsen. Ich möchte nicht täglich von meiner Energie beraubt werden. Nach dieser Erkenntnis ist für mich eine berufliche Vollbremsung eingetreten.
Ich habe es eingesehen, aber das war dennoch sehr frustrierend, zu erkennen, dass ich nicht angekommen bin. Allerdings sehe ich nun deutlich das, was ich wirklich brauche, was ich nicht akzeptieren will und wie viel ich von mir zukünftig in meine Arbeit investieren möchte.
Am Ende weiß ich mit Sicherheit: Ich finde immer eine Lösung, wie immer und freue mich auf meine neue berufliche Aufgabe.

Meine andere große Erkenntnis war, manchmal muss man Menschen gehen lassen. Nicht weil sie einem egal sind, sondern weil man ihnen egal ist. Man kann niemanden zu einer Kommunikation zwingen. Kommunikation muss nämlich von beiden Seiten stattfinden. Und ja es tut weh, immer noch. Aber ich habe einfach keine Kraft mehr und möchte auch keine weitere aufbringen. Ich bin immer noch ziemlich überfordert mit dieser Situation, auch wenn es scheint als, wenn es vorprogrammiert wäre, dass dieser Moment kommen wird.
Trigger Punkte. Dieses Jahr genug damit zu kämpfen gehabt und es ist an der Zeit loszulassen, möglicherweise für immer. Ich gebe mir damit die Chance bedingungslos glücklich zu sein und manchmal müssen Dinge zerbrechen, um vollständig zu heilen ohne eine Packung Pflaster dafür wieder aufzubrauchen.
Mein inneres Kind darf endlich heilen.

Achtsamkeit, Selbstliebe und Resilienz standen 2023 ganz vorne auf meiner Liste. Leider habe ich mich dieses Jahr oft hinten angestellt und habe es geschafft diese Einstellung aus den Augen zu verlieren.
Dieses Jahr habe ich wirklich viel gemeckert aber vor allem mich über vieles beschwert, ohne aktiv nachzudenken, was ich verändern könnte, um ein besseres Gefühl zu bekommen.

Deshalb mache ich 2024 weiter! Ich möchte unbedingt etwas Neues mir aneignen, woran ich wachsen kann. Ich möchte an mir arbeiten, und mir das Leben dadurch im Endeffekt erleichtern. 
Positive Gewohnheiten erlernen und schlechte ablegen oder zumindest weniger oft in diese Gewohnheiten zurückkehren.


Nun ist das Jahr 2023 fast vorbei und wir haben es geschafft.
Auf uns. Auf, das was wir das Jahr 2023 hinter uns haben. Hinter uns gebracht haben. Auf mehr Zeit für uns und die Menschen, die uns guttun. Auf, das wir lernen mehr und mehr auf uns zu achten, auch wenn wir trotzdem weit von 'life figured out' sind. Auf die Möglichkeiten, dass wir genutzt haben, und jene, die wir liegen ließen. Auf los lassen und festhalten und wieder loslassen. Auf das Leben und Leben leben, so wie wir es möchten. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Mein Motto für 2024:


  • VERGEBEN

  • STRAHLEN

  • WACHSEN

  • GENIEßEN


Ich bin bereit.


Freitag, 30. Dezember 2022

Ein Jahr voller Wendungen

Nicht mehr lange und auch das Jahr 2022 wird Geschichte sein. Übrig bleiben dann einzig die Erinnerungen. Höchste Zeit also, einen Blick zurückzuwerfen und seine ganz eigenen Erinnerungen festzuhalten. Das Jahr Revue passieren zu lassen und zu reflektieren.

2022 war ein Jahr voller Emotionen, aber mit vielen schönen Momenten.
In diesem Jahr hatte ich wieder so einige „Aha-Momente“ und habe viele neue Dinge gelernt.

Doch meine wohl wichtigste Lektion in 2022 lautete: Das Leben hält manchmal unerwartete Wendungen für dich bereit!
Und unerwartete Wendungen hatte ich in diesem Jahr so einige.

In welchen Momenten wachse ich am meisten? Normalerweise dann, wenn ich die Komfortzone verlasse. Ich musste mir eingestehen, dass ich Hilfe brauche und gleichzeitig hatte ich solche Angst, wieder auf einen Arzt zu treffen, der mich abwinkt. 
Die wichtigste Beziehung hat angefangen zu zerbröseln und doch haben wir das Erdbeben mit all unserer Kraft aufgehalten. 
Manchmal werden wir vor Herausforderungen gestellt, die wir uns lieber erspart hätten. Und manchmal geschehen Dinge, die noch viel größer sind als in unserer Vorstellung.

Rückblickend konnte ich mich durch diese Herausforderungen aber oft weiterentwickeln, dazu lernen und stärker werden. 

Gleichzeitig sind so viele unglaubliche Dinge passiert, die ich mir nie hätte ausmalen können. Dinge, die ich immer für „zu groß“ für mich betrachtet habe.

Eigentlich passierte mir das größte Glück, was bereits 2018 von einem Mann aus meiner Mokka Tasse vorausgesagt wurden ist.
Er sagte: meine Gesundheit wird sich enorm verschlechtern und sich, wie ein Tornado anfühlen und so war es letztendlich auch. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, es kann nicht mehr schlimmer werden. Ich weiß gar nicht, wie ich mein Gleichgewicht halten könnte, aber ich habe es geschafft.
Ich werde eine Operation brauchen und danach wird alles besser werden. Und auch das hat gestimmt.

Ich bin geheilt und mit mehr Glück kann mein Leben nicht gefüllt sein.
Es war definitiv ein Jahr, das mich mehrfach aus meiner Komfortzone geholt hat.
Ein Jahr, in dem ich bewusster meine Grenzen kennengelernt und gezogen habe.
Ein Jahr voller „Ja’s“ und gleichzeitig auch ein Jahr voller „Nein’s“.
Die Krankheit und auch meine psychische Verfassung hat mich sehr ausgebremst.
Für jemanden wie mich, der in der Vergangenheit „koste, was es wolle“ alles in hohem Tempo abgeschlossen hat, eine neue Situation.
Ich konnte beobachten, wie viele Beziehungen schöner und intensiver wurden.
Ich weiß, wo ich stehe und habe gelernt, offen kommunizieren zu dürfen.
2022 wurden auch einige Kapitel beendet.
Aber so ist das halt im Leben, nicht immer passen die Rahmenbedingung oder man kommt vor lauter Planen gar nicht ins Tun.
Akzeptanz ist der Schlüssel.

Ich habe mich dazu entschieden Dinge, hinter denen ich nicht 100 % stehe, loszulassen. Die Zeit ist sinnvoller genutzt, wenn ich das mache, wofür ich brenne. 
Ich habe erkannt, dass ich die letzten Jahre von der Ungeduld getrieben war. 
Viele Dinge gleichzeitig gemacht habe, um vermeintlich schneller vorwärtszukommen oder auch aus Angst, zu wenig zu erleben. Das war ein Trugschluss.

Jetzt möchte ich mehr Gelassenheit im Alltag leben – mehr ins Vertrauen kommen. Alles passiert genau zur richtigen Zeit und jetzt kann ich mit einem vollgelaufenen Akku starten.

Für 2023 lautet mein Jahresmotto „Nachholen“.

Ich glaube, 2022 war eines der herausforderndsten Jahre. 

Überarbeitung, Überforderung, schlechte Bewältigungsmechanismen und dunkle Zeiten sind einige Themen, die mich über das Jahr hinweg begleitet haben.

Das Schwerste daran ist vermutlich, dass man direkt mit seinen „Schwächen“ konfrontiert wird und feststellt, dass man in einigen Situationen vielleicht doch nicht so stark sein kann, wie man es sich wünschen würde.

Was mich vermutlich am meisten berührt hat, war von Menschen getäuscht und enttäuscht zu werden und es zu sehr an mich heranzulassen. Anstatt zu versuchen mich zu distanzieren und den Fokus auf die Dinge zu lenken, die mir Kraft und Halt geben, bin ich ein wenig im negativen und Schmerz versunken. Es war eine dunkle Zeit, mit wenig Schlaf, negativen Gedanken und auch mit viel Angst, dass es wieder kommen kann - mein Frechdachs.

Trotzdem habe ich aus dieser schweren Zeit auch etwas Positives mitgenommen: ich weiß nun, wie ich in Zukunft nicht mehr mit solchen Herausforderungen umgehen möchte. Ich habe gelernt, dass ich das nicht alleine durchstehen muss und darüber reden darf. Dass es okay, sich Hilfe an die Seite zu nehmen und dass es Menschen da draußen gibt, die für mich da sind. Ich habe gelernt, wie wichtig der eigene Umgang ist. Denn ich kann nicht alles um mich herum kontrollieren, aber es liegt in meiner Macht, wie ich damit umgehe und wie sehr ich die Sachen an mich heranlasse. Dank der Fürsorge der Ärzte, der positiven Einstellung und der enormen Unterstützung meines Mannes und meiner Mozzarellakugel wurden traumatische Erfahrungen für mich zu einer Inspiration zum Handeln.

Ich schätze mein Leben genauso wie es ist, auch wenn es nicht so spektakulär und groß wie bei manch anderen ist. Aber das kleinste Glück kann manchmal doch das Größte sein.

Das Jahr war schön und schwer zugleich. Aber rückblickend gehe ich gestärkt und mit neuer Hoffnung in das neue Jahr.

Jetzt schaue ich nach vorne und möchte alle Türen, ah selbst alle Fenster ganz weit aufreißen und genießen.
Ich habe endlich wieder Kraft zum Atmen.

Dies war nun also mein Jahresrückblick 2022. Jetzt bin ich aber neugierig! Was waren deine schönsten Momente in 2022? Was lief bei dir nicht wie eigentlich geplant? Und was hast du dir für das nächste Jahr vorgenommen?

Mittwoch, 12. Oktober 2022

DIE GUTE UND SCHLECHTE NACHRICHT ZUGLEICH


Meine letzten geschrieben Wörter 2021 hier waren: ,,Ich warte auf dieses Licht in meinem Tunnel und bis dahin nehme ich eine Taschenlampe mit in das Jahr 2022.''

Und um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll...
Heute vor 6 Monaten wurde mein Bauchspeicheldrüsentumor - liebevoll auch Frechdachs genannt, entfernt und seitdem brauche keine Taschenlampe mehr, den ich sehe wieder klar und deutlich.
Durch meine Krankheit fühlte sich mein Alltag, wie als wenn ich täglich durch einen Nebel gehen würde.
Im März kam es zu einem Helikopter Einsatz auf meiner Arbeit und diese Erfahrung hat mir gezeigt, so geht es nicht mehr weiter. Sich nicht mehr weiterhelfen zu wissen und so auf andere Menschen angewiesen zu sein, ist sehr demütigend. Vieles wollte ich nicht erkennen wollen, wie schlecht es mir die letzten Wochen, Monate und Jahre ergangen ist. Ich wollte mir täglich beweisen, es ist nichts Schlimmes und dann gleichzeitig von den Ärzten zu hören bekommen, dass alles nur psychosomatisch sei, hat es natürlich nicht besser gemacht. 
 
Aber fangen wir ganz von vorne an, alles begann mit einer Unterzuckerung. 
2018 könnte mein Körper plötzlich mir keinen Halt mehr geben und das Management meiner Krankheit hat mich angefangen von nun an den ganzen Tag zu begleiten. Seit diesem ersten Vorfall befand ich mich in ärztlicher Betreuung, doch kein Arzt konnte mir helfen. Es hieß immer, alles sei normal und vor allem in Ordnung. Ich bräuchte nur etwas Cola oder Traubenzucker. Nach und nach verlor ich die Kontrolle über meinen Körper. Mein Glucose Wert bewegte sich zwischen 25 und 60. Nach dem Essen senkte der Zucker gewaltig und trotz entgegenwirkender zuckerhaltigen Getränke oder anderem, stieg der Zucker nicht nach oben. Ich habe bereits bis zu dem letzten Vorfall über 3,5 Jahre mit meiner täglichen Hypoglykämie gelebt und wenn ich mich wieder getraut habe zu einem der Ärzte hinzugehen, hieß es ich wäre eine junge, überforderte Mutter. Solche Sachen passieren einfach. Es sei psychosomatisch. Irgendwann habe ich mich damit arrangiert. Ich wollte ungern als eine überempfindliche Frau dastehen und ich habe es irgendwann akzeptiert. Immer hin wurde nie etwas Körperliches gefunden außer, dass ich einen viel zu niedrigen Blutzucker hatte. Irgendwann kamen tägliche Krampfanfälle, sowie neurologische Ausfälle. Und die täglichen Botschaften von meinem Körper waren für meine Familie besonders schmerzhaft.
Gleichgewichtsstörungen, Gewichtszunahme, Migräneanfälle, Herzrasen, Konzentrationsstörungen bis hin zu Verwirrtheit. Trotzdem wurde ich immer wieder nach Hause geschickt.
 
Meine Krankheit hat sich angefühlt, wie ein mieses Korsett, in dem ich kaum atmen könnte. Und diese gab mir auch keine Alternativen. Mein erster morgendlicher Gedanke war immer:
,,meine Mozzarellakugel mit aller Kraft zu beschützen und glücklich zu machen und gleichzeitig zu erkennen, wann ich es nicht mehr kann.''
Oft erkannte ich es zu spät und mein Alltag war ein purer Überlebenskampf.
Wie oft fragte mich mein Mann, ob alles in Ordnung sei gewesen und ich log ihn an. Ich wollte nicht, dass er sich noch mehr Gedanken macht als eh schon zu diesem Zeitpunkt. Ich wollte alleine damit fertig werden, ohne andere Menschen damit unglücklich zu machen. 
Das ist ein schreckliches Gefühl. Vieles habe ich überspielt. Vieles nie ausgesprochen, wie schlecht es mir ergangen ist, damit meine Liebsten eine Verschnaufpause von den Sorgen bekommen.
Unsichtbar krank zu sein, bedeutet häufig, dass nichts in meinem Leben normal ist. Ich sah nach außen gesund aus und niemand hätte vermutet, wie es in mir drinnen ausgesehen hat.
 
Am schlimmsten fand ich, dass mein Sohn so viel zurückstecken musste. Alles hat angefangen, da war er gerade 4 Monate alt. Er hatte also nie wirklich eine gesunde Mama und das zu verarbeiten wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Wie oft musste ich ihn ausbremsen, weil es mir wieder nicht so gut ging. Er wurde immer verständnisvoller und ich immer trauriger. Ich fühlte mich erschöpft und so überfordert, den ich wusste es ist keine psychische Ursache. In meinem Körper hat gewaltig etwas nicht gestimmt. Ich brauchte nur etwas mehr Mut, um einen Arzt zu finden, der mich endlich anhört.
Ich war seine Mutter und fühlte mich nach und nach mehr durchsichtig. 
Ich war nur noch die, die ich nicht mehr war. Eine Frau, die ich nie sein wollte!

Glücklich sein hängt von der Gesundheit ab und irgendwann habe ich das glücklich sein verlernt.

Und eins ist klar, mein Mann war eine unglaubliche Stütze, den, wenn ich die ganze Welt um mich verlor, war er der eine Punkt, an dem sich unsere Mozzarellakugel fixieren könnte.
Zu oft verlor ich die Kontrolle, und könnte keine Balance mehr finden.
Und auch als ich über 5 Wochen im Krankenhaus war, war er alles für ihn und vor allem für mich.
Ich war durchbrochen, aber ich war gleichzeitig so dankbar, dass ich genau ihn als Papa für meinen Sohn hatte.

In Heidelberg habe ich die Hilfe bekommen, die ich schon vor Jahren nötig gehabt hätte. Die Ärzte versprachen mir, mich erst nach Hause zu schicken, wenn sie sich sicher sind, was mir fehlt. Das hat mir Hoffnung gegeben. Viele Ärzte waren involviert und haben mir vernünftig erklärt, dass sie sich gar nicht bewusst sind, wie ich so lange damit leben könnte. Mein Cortisol Spiegel (das Stresshormon, was in meiner Nebenniere zu wenig produziert wird) könnte sich nicht mehr vollständig auffüllen, mein Körper hat zu diesem Zeitpunkt die Restreserven aufgebraucht und ich hatte keine Kraft mehr, um meinen Alltag selbstständig zu überstehen.
Viele Menschen sind bei mir geblieben und hielten meine Hand, als ich vor Verzweiflung ertrank. Die Gespräche waren sehr wertvoll für mich, den bis dahin war immer noch so fest in meinem Kopf - ich bin zuständig für meinen Zustand. 
Wahnsinn, dass ich so eine lange Reise auf mich nehmen musste und mit so vielen inkompetenten Ärzten in Berührung kommen musste, bis ich wirklich erhört worden bin.
 
Diese Gefühle, die seit über 3 Jahren immer mehr Platz in meinem Leben eingenommen haben. 
Wut, Angst, Verzweiflung, Demütigung, Panik, Ratlosigkeit, Unruhe, Scham, Frust und Unzufriedenheit. All diese Gefühle versuchte ich zu ignorieren. Die Frage: was stimmt mit mir nicht?! Wurde immer lauter in meinem Kopf. Mein Leben hat immer mehr an Geschwindigkeit abgenommen. Ich fühlte mich zu oft, wie eine Patientin in meinem eigenen Zuhause. 
Mein Leben mit Hypoglykämien war ein Erdbeben einer ganz besonderen Art. 
Fast 4 Jahre später endlich diese Erkenntnis: ,,Frau Fiedler, es lag nie an Ihnen. Wir werden versuchen ab jetzt Ihnen zu helfen!'' 
Und nun diese Gewissheit, dass es nicht an mir lag. Ich war nie Schuld an meinem Gesundheitszustand, trotz der Beurteilung von so vielen Ärzten. Das war mein Frechdachs. Die gute und schlechte Nachricht zugleich. Ich wurde auf das schlimmste vorbereitet und fühlte mich verloren. In dieser Zeit als ich im Krankenhaus war, war ich fremdbestimmt. Andere sagen dir, was jetzt mit deinem Leben passiert, wo du zu sein hast und welche Untersuchungen mit dir gemacht werden. Man gibt sich wirklich ab und hofft auf das Beste. 
Der Weg zu meiner Heilung war furchtbar steil. Dafür bin ich einen weiten, anstrengenden, manchmal demütigenden und oft frustrierenden Weg gegangen. Ich habe zu oft zwischen drinnen aufgegeben, alles fallen gelassen, den Kopf in den Sand gesteckt und war oft genervt, von meinem besorgten Ehemann.

Wenn ich zurückblicke, schüttelt es mich bei Sachen, die ich damals verantwortungslos gemacht habe. Ich könnte es zu damaligen Zeitpunkt nicht besser. Aber ich habe es mit der Zeit gelernt.

Nach knapp 4 Jahren, 6 Krankenhäusern und 17 Ärzten weiter, haben wir endlich die Ursache gefunden.
Eine Reise voller Emotionen geht langsam zu Ende. Das neue Kapitel darf endlich beginnen.
Ich bin bereit. Wir sind bereit!
Niemand wird dir erzählen, wie schwer es ist, ein neues Leben nach deiner Krankheit anzufangen. Wie schwer es tatsächlich wird, sich wieder hochzuziehen, nachdem du den Tiefpunkt in deinem Leben erreicht hast. Alles hat sich verändert. Die Freundschaften sowie auch die Beziehung zu meinem Mann haben sich verändert. Das Umfeld vergisst schnell. Woher sollen auch andere wissen, was diese Zeit der Krankheit mit mir gemacht hat? Ich muss lernen, besser zu kommunizieren. Ich fühle mich oft missverstanden und vielleicht ist auch dies einer der größten Probleme.
Ich mache Fortschritte jeden Tag und den letzten Wochen bin ich über mich hinausgewachsen. Ich habe begonnen, meinem Körper zu vertrauen. Je mehr ich in diese Richtung Vertrauen schenke, desto einfacher wird mein Alltag sein.
Ich habe immer noch sichtbare Baustellen. Es gibt Ecken in der Wohnung, die bringen mich in diese furchtbare Zeit zurück und ich fühle mich eingeengt. Eine Träne kullert die Wange herunter. Ich kann immer noch nicht in die Badewanne gehen, dort fand der letzte Krampfanfall statt. Sobald ich daran denke, geht meine Herzfrequenz nach oben.

Ich mag meine Narben am Bauch nicht besonders gerne, doch sie zeigen deutlich, dass mein Frechdachs meinen Körper verlassen hat.
Es braucht noch seine Zeit und ich bin, um ehrlich zu sein, kein geduldiger Mensch.
Ich versuche, es zu verstehen. Ich versuche mein Bestes, auch wenn es sich manchmal anfühlt, als würde ich rückwärts laufen.

Aber mittlerweile gibt es mehr gute als schlechte Tage.

Das besondere ist auch für mich, dass mein Geburtstag am 21 April und meine Operation am 12 April statt fand, seitdem habe ich keine Unterzuckerung mehr. Das ist ein unglaubliches Gefühl an Freiheit. Ich merke, wie ich wieder anfange nach der trockenen Zeit aufzublühen und meine Familie ist mein Wasser.
Jetzt bin ich in meiner Erholungsphase und komme langsam zu mir.
Ich genieße die Zeit. 
Nichts ist mir mehr zu viel. 
Es ist sonderbar, wieder im Gleichgewicht zu sein.
Wieder glücklich und unbeschwert zu leben, ohne diese kontinuierliche Angst.
Manchmal denke ich, dass ich träume und dann zwicke ich mich. Ich wache aber nicht auf, alles was bleibt ist ein blauer Fleck.
Ein blauer Fleck voller Glück.  



Freitag, 31. Dezember 2021

12 Monate gehen zu Ende

Das Jahr 2021.
12 Monate gehen zu Ende.
Viel kann ich nicht dazu sagen und ich glaube, ich möchte zum Großteil auch vieles verdrängen.
Ich wollte mehr Sport machen, mehr in mich kehren, mehr verreisen, mehr schreiben, mehr entspanntes Familienleben haben, mich beruflich neu orientieren und vor allem glücklich und unbeschwert leben.
Corona hat alles durcheinander gebracht.
Kein Wunder, dass dieses Jahr sich so anfühlt, als wären mehrere Jahre auf einmal vergangen.

Eigentlich habe ich viele Hobbys, zumindest weiß ich wie ich mit Langeweile umgehen kann und komme auch ziemlich gut alleine klar. Aber dennoch brauchen Menschen andere Menschen.
Und ich brauche Soulfood um zu überleben.
Die Politik macht es da einem leider auch nicht einfach.
Mein Lebensfreude-Akku ist leer. Ich bin oft in meiner eigenen Welt gefangen.
Vielleicht deswegen schaue ich mir meine alten Teenie Serien an, um mich zu erinnern, was ich damals als junges Mädchen für Probleme hatte, die ich auf jeden Fall überstanden habe. Aber damals haben diese Kleinigkeiten sich so unlösbar angefühlt und ich wiederum war so verzweifelt.
An diesen Punkten war ich ziemlich frustriert.
Ich fühlte mich furchtbar alleine gelassen, da ich auch nicht wusste, wie ich weiter kommen sollte.
Jetzt, 15 Jahre später, stehe ich trotzdem hier und deswegen bin ich ziemlich zuversichtlich, dass ich auch diese Pandemie Phase überleben werde. Denn damals habe ich kein Licht im Tunnel gesehen aber trotzdem stehe ich hier.

Während es schon Statistiken gibt, wie die ganze Corona Situation die Trennungsrate von Paaren in die Höhe treibt, hat uns dieses Thema in meinen Augen zusammengeschweißt.
Wir hatten dieses Jahr eine große Feier, und zwar unsere Freie Trauung und ah was bin ich froh, dass wir das noch umsetzen könnten.
In diesem Jahr ein solch rauschendes Fest kaum möglich gewesen und viele soziale Kontakte mussten zumindest zum Teil auf null gefahren werden.
Die Hochzeit war traumhaft und war eindeutig unser Highlight des Jahres.


Ich werde dieses Jahr den Teufel tun, um Pläne auf das kommende Jahr zu machen.
Ich muss erst mal dieses Jahr überstehen, und zwar in aller körperlicher und seelischer Gesundheit.
Mein Wunsch ist allerdings, dass ich mich besser mit mir auseinandersetze und mit meiner Gesundheit.
Ich hatte im Jahr 2021 viele Höhen und Tiefen, die mich psychisch an meine persönliche Grenzen gebracht haben.
Meine Kraftreserven durch das vergangene Jahr noch ganz schön strapaziert sind, möchte ich zu mir finden.
Ich hoffe auf eine Diagnose, die mir einen wichtigen Teil in und über meinen Körper erklärt.
Damit würde ich eine Antwort bekommen und mein persönliches Wachstum hört ja im Grunde nie ganz auf.
Zum Glück.
Ich erwarte, dass ich im neuen Jahr vieles lernen sowie umsetzen kann und damit jeden Tag ein Stückchen stärker werde.

Ich wünsche Euch allen für das neue Jahr vor allem Gesundheit, aber auch den Mut neue Wege zu gehen, wenn Ihr nicht mehr glücklich seid.
Tankt regelmäßig Kraft für die nächsten Monate und geht mit voller Energie und mit neuen Ideen in die Welt raus.
Ich warte auf dieses Licht in meinem Tunnel und bis dahin nehme ich eine Taschenlampe mit in das Jahr 2022.
Kommst Du mit?

Wir lesen uns im nächsten Jahr wieder.

Eure Flora!

Mittwoch, 30. Dezember 2020

2020 sollte mein Jahr werden.


 

Eben voller Magie. 

 
Doch nicht jedes Jahr gleicht dem anderen und dieses Jahr war schon 'besonders' auf seine eigene Art und Weise.
Ich möchte einen Blick zurück werfen und alles Revue passieren lassen. 
Was hat mich bewegt, was hat mich zu Tränen gerührt, in welche Richtung bin ich gegangen und war es das Richtige? 
Die meiste Zeit war ich vollgetankt mit Liebe, doch an meinen schwachen Tagen war ich so verzweifelt, dass die Taschentücher gar nicht schnell genug in meiner Nähe sein konnten.
Meine sture Gewohnheit ist wohl, mich chronisch stressen zulassen - das muss dringend geändert werden.
Ich habe dennoch dieses Jahr aufs neue gelernt loszulassen. Nicht weil es sich richtig angefühlt hat, sondern weil ich keine andere Alternative gefunden habe. 
Meine Gesundheit war eine wahre Achterbahnfahrt. Aber wir sind auf dem besten Weg, herauszufinden woran es liegen kann und dann wird es hoffentlich besser.
Also 2020 war ein großer Schritt in Richtung der Besserung.
 
Früher, dass was ich hatte oder hätte haben können, war mir konstant zu wenig. Heute weiß ich es ganz genau - ich will nur die Hälfte von allem.

Ich fühlte mich selber oft missverstanden und ungerecht behandelt.
Meine Gedanken waren oft laut und stürmisch. Dazu kommt es, dass ich immer mehr unzufriedener wurde mit meinem Körper und mit meinem Wohlbefinden.
Ich möchte mich selber nicht mehr beurteilen.
Ich möchte in die Tiefe wachsen, statt an der Oberfläche. 
Das Vergleichen mit anderen führt nur in die falsche Richtung. Ich habe meine eigenen Kraftreserven, Bedürfnisse und Empfindlichkeit - das muss ich wohl aufs Neue lernen und annehmen.
Mein Leben fühlt sich nicht nach meinem, wenn ich mir stets Gedanken mache, was andere von mir denken. Gleichzeitig bin ich auch dankbar dafür, dass manche Menschen mir jeden Tag zeigen, wie ich nicht sein möchte.
 
Dieser Spruch: wer schön sein will, muss leiden. 
Davon habe ich genug! Ich möchte mich anfangen wieder so zu mögen, wie ich bin. 
Meinen einzigartigen Körper dafür danken, dass er mich mehr oder weniger verlässlich durchs Leben getragen hat und vor allem möchte ich mir erneut die Chance geben, meinen Körper besser kennenzulernen. Es nutzt nichts über die Höhen und Tiefen nachzudenken und sich Vorwürfe zu machen. 
Ich suche nach Akzeptanz und Frieden.

Ich möchte auch befreiter in das Jahr 2021 starten. 
Dazu kommt bald unser Umzug und ich mache mir bewusst, dass man mit so viel weniger Dingen auskommt, als man denkt. 
Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein.
Ausmisten, durchatmen und genießen - wird meine Priorität sein.

2020, ist ein Jahr, in dem so ziemlich alles zusammen gefallen ist.
Alles war unklar, alles wurde mir zu viel und alles war da und konnte nicht verschwinden, wie ich es mir oft gewünscht hätte.
Ich fühlte mich oft als wäre ich in einer Blase gefangen. 
Irgendwie da aber durchsichtig. 
 
Mein Fels in der Brandung sah meine Verzweiflung und meine Übermüdung.
Er kümmerte sich um seine kleine Familie und fügte meine Teile wieder zusammen.
Dafür bin ich sehr dankbar und unglaublich emotional, wenn ich zurückblicke, wie viel er anstecken musste für mich. 

FÜR UNS.

Mein persönlicher Jahreshighlight musste verschoben werden - unsere Freie Trauung.

Dem Virus möchte ich für mein schwaches Jahr keine Schuld geben. 
Doch neues Jahr, neues Glück oder wie sagt man es?
 
Ich möchte Träumen und mein Familienleben gesund genießen.
Ich möchte mehr auf mich acht geben.
Ich möchte eben voller guter Hoffnung ins neue Jahr starten.
 
Tatsächlich gab es wenig für mich was schön 2020 war.
 
Ich muss öfters Ruhe Pausen einhalten und auch mal laut Stopp rufen, wenn ich nicht mehr kann.
Ich sollte es nicht als Schwäche empfinden, doch im Augenblick fühlt es sich ganz stark danach an.
Ein sehr wichtiger Merkzettel, den ich in das neue Jahr mitnehme: Es ist nicht meine Aufgabe für jeden alles zu sein.
 
Ich wünsche euch für das neue Jahr viel Durchhaltevermögen und vor allem viel Gesundheit.
Mögen die nächsten 12 Monate glücklich, einmalig, atemberaubend, unvergesslich sowie voller Liebe für uns sein. 

Wir lesen uns im nächsten Jahr wieder.
Eure Flora



Montag, 11. Mai 2020

Corona 2020

Eigentlich habe ich im März angefangen darüber zu schreiben, aber durch meine Beobachtung kam immer mehr und mehr dazu... Ich musste über vieles schmunzeln, nachdenken, mich wieder fangen und einfach durchatmen. Im Gesamten kann ich sagen, dass es mir gut geht, es kommen immer wieder Tage, an denen meine Geduld im Minus Bereich sich befindet oder ich in den Spiegel schaue und mir ''durchsichtig'' vorkomme. Ich möchte wieder der positive Mensch werden, der ich eigentlich bin, doch dafür brauche ich auch das Lächeln anderer und das ist jetzt bei vielen auf Stumm geschaltet.
Ich bin dankbar für meine Familie, auch wenn es mir manchmal so vorkommt als, wenn ich 2 Kinder zu Hause hätte, doch die beiden bringen mich immer wieder zum Lachen aber auch oft zum Verzweifeln.
Ich nehme die schlechten Tage hin und freue mich über die Guten.
Ich habe gelernt, dass ich nicht erwarten kann, dass ich mich gut fühle, wenn ich mich mit Negativität umgebe.

Kennst du das? Du bist super drauf, die Sonne scheint, dein Morgen mit deinem Kind ist gut verlaufen, Mittag gekocht und es sieht einigermaßen gut in der Wohnung aus? Dann gehst du raus und die Menschen zerfleischen sich auf der Straße verbal? Ich weiß nicht wie es euch geht, aber meine Energie geht den Bach unter. Du bittest nicht drum und trotzdem bekommst du einen Schwall von Negativinformationen. Es geht drum, was alles wieder nicht stimmt in der Welt, wer Schuld ist und warum es ja, vorhersehbar war, dass es so kommen musste. Durch die ganzen Experten da draußen sind die Menschen sich so schnell fremd geworden.
Gerade hast du noch die Sonnenstrahlen genossen und nun ist es finster.
Monotone Unzufriedenheit und Unfreundlichkeit.

Ebenfalls anstrengend: die Jammerer aber nie etwas ändern wollende Menschen.
Sie überfluten dich ohne Punkt und Komma mit ihren Ansichten und Schuldzuweisungen. Manchmal fragen sie ganz kurz zwischen durch nach deiner Meinung oder was du vielleicht von der Theorie hälst, doch meistens warten sie nicht mal deine Antwort ab. Und wenn doch, dann wird nicht mal darüber nachgedacht. Hier muss ich mich oft zurückhalten,denn meine Energie möchte ich möglichst auf einem fruchtbaren Boden säen. Einfach aus Selbstschätzung zu mir selber. Manche möchten alles beim Alten lassen, jeder ist sein eigener Regisseur und jeder hat seine eigene Zeit und wenn man diese für jammern ausgeben möchte, dann bitte aber verstreue es nicht überall. Das Unkraut kann keiner so schnell zupfen, wie es wachsen würde.

Gerade in Zeiten wie diese, gönne dir die Freiheit, zu schauen, wer dir gut tut und wer nicht. Folge deinem Herzen. Mach die Türen ganz weit auf und lass dein buntes Leben herein.

Ich schaue keine Nachrichten und trotzdem bekomme ich sehr gut mit, was in der Welt passiert. Nachrichten können lähmend wirken. Ein verzerrtes Bild auf die Realität und wir saugen alles auf, was uns der Bildschirm sagt, danach gehen wir vor die Tür und ''die Jammerer'' erledigen den Rest.
Täglich gibt es nur Horrornachrichten. Sicher, es läuft einiges schief, doch würde ich den Medien glauben, steht der 3 Weltkrieg vor der Tür und jeder 2 Mensch ist ein Betrüger, Vergewaltiger oder ein Nachbar mit einer Bombe in der Tasche. 
Gehe ich jedoch raus, sehe ich trotzdem Menschen, die sich gegenseitig helfen. Menschen die Lächeln und auch, wenn ich die Mimik der anderer durch die Maske kaum sehen kann, hoffe ich einfach, dass sie lächeln.
Lasst euch von den schlechten Nachrichten euer Leben nicht komplett grau machen.
Mach Pause und frage dich: Ist das wirklich wahr?
Es ist auch viel schwieriger geworden sich in eine andere Person hineinzuversetzen. Ich glaube, dass ist so ziemlich das größte Problem im Jahr 2020. Jeder möchte Recht haben und jeder weitere weiß mehr über das heiße C - Thema.
Auch wenn wir nicht alle gleicher Vorstellung und Ansichten sind, kann es wertvoll sein dies zu akzeptieren und niemanden versuchen zu ersticken mit seinem ''Wissen''.
Lass uns alle wieder atmen und für einen Moment die Boshaftigkeit vergessen. Es bringt uns eher einen Schritt zurück.
Jeder ist wunderbar einzigartig mit seinen Gedanken, Gefühlen, Sorgen, Ecken und Kanten. Wir müssen nur uns selber erlauben aufzublühen - passend zum Frühling.
Jeder blickt durch seine ganz individuelle Brille.
Wir werden immer urteilen und das auch oft viel zu schnell, sowie wird uns das Verhalten unser Nachbarn stören. Doch kein Verhalten passiert ohne Grund. Wir wissen nie, was unserer Gegenüber schon alles durchgemacht hat oder gar macht.
Allein der Gedanke hilft mir oft und verändert meine Sichtweise.
Das Leben, auch wenn es etwas komplizierter gestaltet wird seit Corona, macht so viel mehr Spaß, wenn man sich nicht über alles mögliche aufregen.
Versuche deinen eigenen Sonnenschein zu erschaffen, denn Glück beginnt im inneren.
Dein inneres Reichtum wird dir danken und es gibt immer etwas, was schiefläuft aber gleichzeitig gibt es auch immer etwas wofür wir dankbar sein können - versprochen!

In all dem schlechten stecken Chancen auf Wachstum und Weiterentwicklung also lass uns das gemeinsam Unterstützen, den sie machen uns stärker. Verlasse deine giftige Komfortzone und fange an zu genießen, den das ständige jammern verändert nichts an der jetzigen Situation!

Freitag, 28. Februar 2020

Die Kraft unserer Ressourcen

Erinnerst du dich an einen Tag, an dem du dich gefühlt hast, als könntest du Berge versetzen? Keine Aufgabe erschien dir zu schwer. Keine Herausforderung zu groß.
Diese Tage erlebe ich, allerdings selten in meinem Alltag.

Es fällt mir manchmal schwer, mich auf etwas zu fokussieren.

Die Erwartungen, die ich an mich selber habe, sind laut. Ich versuche nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren und gerne erinnere ich mich, dass ich nicht alles bin. Ich muss nicht ALLES schaffen.
Ein Blick auf den Sternenhimmel und ich verinnerliche, wie klein und unbedeutend ich in dieser riesigen Welt bin.
Diese Denkweise hilft enorm.
 Jeder hat in sich ein Stück vom Kosmos.

Jeder Mensch wächst mit einigen emotionalen 'blauen Flecken' im Selbstwertgefühl auf. Das gehört einfach zu unserer Sozialisation dazu. Wir akzeptieren vieles und hinterfragen nicht oft. Erst wenn unser Leben spürbar beeinträchtigt wird, beginnen wir uns auf die Suche nach Reparaturmöglichkeiten.
Einfacher ist es natürlich, regelmäßig für sich Zeit zu nehmen, bevor man kurz vor dem zerbrechen ist.
Positiv denken und sich Pause gönnen ist am Anfang schwierig, langfristig aber eine der wertvollsten Investitionen in meine Gesundheit und Zufriedenheit.

Ich übe immer öfters den Fokus zu setzen auf das Wesentliche und zum Glück gibt es hier in meiner kleinen Welt nicht zu viele Ablenkungsmöglichkeiten.

Mich beeinflusst der Stress und das ist ein individuelles Gefühl.
Vielleicht liest du das hier und denkst: ''Ich verstehe nicht, was sie gerade hat''

Es gibt positiven wie negativen Stress und ich möchte solche Tage, in denen ich Berge versetzen könnte, öfters haben und gleichzeitig merke ich wie, mich dieser Gedanke bedrängt.

Ich bin eine Mutter und Ehefrau, die versucht alles miteinander zu verbinden, neben meinem Teilzeitjob, Vollzeit Betreuung meiner Mozzarellakugel und meinem Mann, der erst Abends nach Hause kommt.

Doch seine Anerkennung ist so kostbar und gibt mir Kraft.  Niemand hat unendlich viel Kraft und das ist in Ordnung. Aber manchmal wird es an manchen Tagen schlimmer und man findet selbst nicht raus.

Mittwoch Abend:
Ich schaue auf die Uhr und denke, wie lange kann die letzte Stunde sich hinziehen, wenn die Migräne sich im kompletten Kopf ausbreitet.
''Puh, was für ein Tag'' und versuche die Holzbauklötze einzusammeln. Meine Mozzarellakugel ist anderweitig beschäftigt aber, sobald ich mit meiner Sache fertig bin, ist er schon auf dem Weg, um es erneut auszuräumen.
Die Waschmaschine fängt an zu piepen und ich rühre das letzte Mal das vegane Curry durch.
Mein Wein steht im Kühlschrank und wartet bis er die perfekte Temperatur erreicht hat.

An diesen Tag wollte ich mich öfter hinlegen und einfach nur ich sein.
Keine Mutter und keine Ehefrau, einfach nur ich.

Ich glaube, wir sollten aufhören, Stärke darüber zu definieren, wie viel jemand schafft ohne zu klagen. Und viel mehr darüber, wie achtsam wir mit unserer Kraft umgehen.

Hast du das Gefühl, immer Berge versetzen zu müssen?


Donnerstag, 19. Dezember 2019

END-OF-YEAR REFLECTION

Zuerst wollte ich gar keinen richtigen Rückblick von diesem Jahr machen. Nachdem ich mein Bullet Journal in der Hand gehalten habe, wollte ich am liebsten ein ganzes Buch schreiben, weil einfach so viel in meinem Leben passierte.
Sobald eine Herausforderung vorbei war, kam gleich die nächste.
Ich weiß irgendwie gar nicht so ganz, wo ich anfangen soll.
Ich versuche authentisch und ehrlich zu bleiben, ohne zu sehr auf Schwierigkeiten fokussiert zu sein, wir werden ja gleich sehen, was am Ende rauskommt.

Dieses Jahr hat so unglaublich viel mit sich gebracht. Sehr viele Schläge und Hürden, aber auch sehr viele schöne und wertvolle Erfahrungen.
Zwischen den ganzen Arztterminen, konnte ich einen schönen Geburtstagspicknick mit meinen Liebsten erleben und mein Akku heimlich aufladen.
Trotzdem gab es davor Tränen wegen Streitigkeiten und das war so schwer zu verstehen.
Ich war verbittert, den so wie es war, wollte ich es nicht durch gehen lassen, aber es ist pure Verzweiflung. Ich trank den gleichen Gift, wie der Gegenüber und habe gewartet, dass derjenige eher umfällt als ich. Glaubt mir, wenn ihr euch in dieser Situation befindet, versucht euch zu befreien davon. Es ist nicht wert. Euer Wohlbefinden wird dadurch zerbröseln und am Ende bleibt nur noch ein Schatten euer Selbst.
Wir waren die Urgroßeltern von unserem Sohn Besuchen und es ist jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Ich werde an das Wertvolle erinnert, was wirklich nicht selbstverständlich ist.
Ich dürfte dieses Jahr meinen ersten Muttertag und mein Partner seinen ersten Vatertagtag erleben.
Wie viel Glück und Liebe ich um mich habe, bemerke ich ganz besonders an solchen Ereignissen.

Ich hatte auch meinen ersten Tief und das gleich im ersten Trimester des Jahres.
Meine beste Freundin und ich waren auf der Glow Messe Stuttgart. Es war wundervoll, wirklich! Aber auch traurig, dass ich diesen verrückten Menschen nicht jeden Tag um mich herum haben darf und zugleich, dass ich nicht wirklich Vertrauensmenschen in meinem neuen Wohnort kennengelernt habe.
JA, auch mir kamen die Tränen, wenn ich nicht in meinem Umfeld bewusst wahrgenommen worden bin. Es ist schwierig zu beschreiben, aber ich habe es mir auch einfacher vorgestellt. Irgendwann dachte ich mir: genug gejammert. Ich schrieb eine besondere Annonce bei Ebay Kleinanzeigen, um auf mich aufmerksam zu machen. Dadurch fand ich nicht nur Spielkammeraden für meine Mozzarellakugel, sondern auch Freundinnen, die sogar im gleichen Ort oder ganz in der Nähe wohnen. Wir unterstützen uns und es ist einfach toll jemanden zu haben, der mich versteht und mit mir gerne Kaffee trinkt, während unsere Kinder spielen.
 
Ich war für meine Verhältnisse viel auf Reisen. Sowohl alleine als auch mit Freunden und meiner Familie, aber immer in Begleitung meiner Mozzarellakugel. Ich habe Klarheit in verschiedenen Beziehungen gefunden und habe versucht mich selbst sowie meinen Körper auf eine neue Weise kennenzulernen.
Das Reisen war für mich das lehrreichste dieses Jahr. Ich konnte so unendlich viel mitnehmen und bin so extrem gewachsen an neuen Orten. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich mich das getraut habe.
Ich weiß noch, als ich die liebe Rrahime angerufen habe, ob sie Zeit für uns in Thüringen hat. Sie sagte, dass sie nicht da ist, weil sie nach Bulgarien verreist. Ich fragte nach ihrem Hotel und ob sie was dagegen hat, wenn wir eine Woche später dazu kommen. Sie dachte ich mach Spaß, doch das war mein Ernst. Was noch erwähnenswert ist, dass meine Freunde Adelina und Kiril dort ganz in der Nähe wohnen. Sie sahen mich das letzte Mal, als ich im 4. Monat schwanger war.
Ich freute mich unheimlich auf dieses einmalige Erlebnis, doch ich schaute dem ganzen mit ganz viel Respekt entgegen.
Es gab natürlich auch viele Menschen, die mich für verrückt gehalten haben.
Ist das Kind nicht zu klein dafür? Ist es nicht zu gefährlich? Hast du keine Angst vor Überfällen? Dein Kind wird sich an nichts erinnern, also wozu der Aufwand?!
Viele negative Gedanken, die mich verunsichern sollten.
Ich bin gereist, ohne meinen Partner und hatte eine unglaublich wertvolle Zeit mit unserem Sohn vebracht.
Mir ist bewusst, dass er sich an das klare Wasser im Meer oder die Muscheln im Sand nicht erinnern wird aber meine Augen glitzern immer noch, wenn ich meine Mozzarellakugel so offen gegenüber anderen Menschen und Kulturen sehe.
Mit jeder Reise gewinnt mein Kind interkulturelle Kompetenz, die doch so wertvoll in unserer Zeit ist!
Ich bereue nur eins, dass ich nicht früher den Entschluss gefasst habe mit ihm zu reisen.

Ehrlich, es war so ziemlich die schönste und intensivste Zeit für mich. So sorgenfrei im Meer zu plantschen ist nicht selbstverständlich.
Nur 10 Tage später, nach dem ich in Deutschland angekommen bin, bekam ich einen Anruf von meiner Cousine aus Polen.
Meiner Oma geht es nicht gut, sie liegt im Krankenhaus und es sieht nicht so aus als, wenn sie dem nächst entlassen wird.
Zum Glück hat es gepasst und mein zukünftiger Mann war auch damit einverstanden, dass ich wieder mit unserem Sohn verreise.
Es war eine 12 Stündige Autofahrt voller Tränen und Angst, was mich wohl in über 900km erwarten wird.
Meine Oma war für mich einer der wichtigsten Personen in meinen Leben.
Jetzt dahinzufahren um Abschied zu nehmen, war eine schmerzhafte Erfahrung.
Jemanden in diesen Zustand im Krankenhaus zu sehen - grausam.
Aber es war trotz allem eine schöne Zeit. Der Wunsch meiner Oma ging in Erfüllung - sie wünschte sich so sehr ihren Urenkel kennenzulernen.  Jedes Mal, als ich aus dem Krankenhaus ging, hat mich meine Mozzarellakugel mit seinem Lächeln empfangen und aufgebaut.
Ich bin stolz auf ihn, dass er alles so großartig gemeistert hat.
Ich könnte meine Familie wieder sehen und meine Ursprungswurzeln meinen Sohn zeigen.
Ich fühlte mich tatsächlich, wie ein kleines Kind, was gerade Süßigkeiten verteilt hat.
Auch wenn der Grund für unsere Reise nicht schön war, habe ich es dennoch genossen Frederick meine Heimat zu zeigen.
Es hat sich vieles verändert, auch meine Gefühle zu meiner Heimat.
Es gab tolle Gespräche, bestes Essen, viele Umarmungen, Liebe sowie Meinungsverschiedenheiten und Abschiede.

Wenn ich mich alleine auf eine Reise mit meinem Sohn begebe, dann weiß ich, dass ich nicht viel Zeit für mich haben werde. Was aber nicht heißt, dass es stressiger wird als mit meinem Partner.
Ich nahm die Zeit mit meiner Mozzarellakugel so viel intensiver wahr.
Das ist etwas Wundervolles, man muss es nur wollen und zulassen.
Das alleine reisen hat mich gelehrt langsamer und bewusster alles zu erleben.
Es läuft nicht alles nach Plan aber es ist so spannend, wie kreativ man wird, wenn man nur sich hat.
Auch die Grenzen sprengen ist eine individuelle Sache.

Als ich in Polen war und mit schlafenden Kind auf dem Arm im Regen stand, gefolgt von gefüllten Taschen in der Hand, wäre es gelogen, wenn ich sagen würde: jetzt wäre mein Partner überflüssig.
Wäre er dabei gewesen, hätte er mich unterstützt, würde ich sofort denken: gut, dass er da ist!
Alleine hätte ich das nie im Leben geschafft!
Wenn man auf sich alleine gestellt ist, bleibt ja einem nichts anderes übrig.
Und wisst ihr was? Ich habe es trotzdem geschafft!
Man wächst über sich hinaus - das macht mich stark und im Nachhinein sogar ein bisschen stolz.

10 Tage später nach dem wir aus Polen zurückkamen, begann unser erster Urlaub als Familie auf dem Aida Schiff. Davor erreichte mich der Anruf - meine geliebte Omi ist verstorben.
Das tiefe Meer um mich herum tat mir gut und ich könnte meinen Verlust langsam verarbeiten in den starken Armen meines Partners. 

Die liebe Gesundheit...da sind wir wohl beim wichtigsten und präsentesten Thema für mich dieses Jahr angekommen. Letztes Jahr im November hat es angefangen, es ging alles so schnell und plötzlich lag ich auf der Intensivstation.
Ich hatte furchtbare Angst, noch nie habe ich mich so unverstanden gefühlt. Ich wusste nicht was mit meinem Körper war.
Mein Partner war mit unserem Sohn da und hat mich täglich zum Strahlen gebracht.
Ich hatte furchtbare Angst, doch er machte aus dem schlimmsten gleichzeitig den schönsten Tag, in dem er mir einen Antrag gemacht hat.
Es gab viele Zeiten dieses Jahr, in denen ich einfach nicht mehr klar kam und verzweifelte.
Der Körper wollte nicht so funktionieren, wie mein restliches Leben.
Er lebt nach seinem Rhythmus und seinem Tempo. Das lässt sich nicht beeinflussen.
Je mehr ich gestresst wurde, weil ich doch gesund sein wollte, desto schlimmer wurde es schlussendlich.
Ich musste dieses Jahr wiederholt lernen, dass es viel Geduld und Zeit braucht um gesund zu werden.
Der Körper hat seinen Zyklus und danach lebt er, ob wir wollen oder nicht.

Nicht nur, wenn es um Gesundheit geht, sondern auch um alle anderen Bereiche im Leben, es ist enorm wichtig, nach dem Zyklus zu leben, um so leicht wie möglich durch das Leben gehen zu können.

Meine Helfer dieses Jahr: eindeutig meine ätherischen Öle.
Seit dem diese in unserem zu Hause sind, möchte ich sie nicht mehr missen.
Mein Sohn hat noch nie etwas, aus dem Medikamenten Schrank bekommen müssen und mein Lebensstil hat sich ebenfalls verändert. Ich ernähre mich gesünder und unterstütze mich und meine Familie mit den Ölen. Eine großartige Wirkung in einem Tropfen!

Was mich so richtig 'in den Flow' gebracht hat dieses Jahr, war die Abwechslung, und zwar eindeutig durch meine schlechte aber auch zum Glück kurze italienische Erfahrung.

Meine Mozzarelakugel hat dieses Jahr so viel gelernt und seine ersten Schritte gemacht.
Verrückt, wenn man an diese Zeiten denkt und er bereits einem Ball hinterherjagen kann.
Mein eigenes Kind in unserer liebevollen Beziehung aufwachsen zu sehen ist einfach unbeschreiblich schön. Seine Art, wie er uns glücklich macht, mit Kleinigkeiten ist das Wertvollste, was wir besitzen.

Mein Lieblingshighlight dieses Jahr - eindeutig unsere Hochzeit.
Nach über 7 Jahren haben wir uns getraut! Viele fragten direkt nach unserer Hochzeit, ob sich was geändert hätte. Ich muss zu geben, dass außer der Nachname alles gleich geblieben ist.
Mein Mann schenkt mir nach wie vor viel Aufmerksamkeit und Liebe. Ich bin  dankbar dafür, den auch dies nicht selbstverständlich ist.

Das Jahr 2019 war sehr intensiv, kurz, lehrreich und voller Überraschungen und Wachstum, obwohl ich zwischendurch immer wieder das Gefühl hatte, dass ich so gar nicht vorwärtskomme, muss ich jetzt sagen, dass ich doch sehr weit gekommen bin!
Es war ein sehr hartes Jahr mit schmerzhaften Zeiten, aber im Großen und Ganzen bin ich nur dankbar für all das.

So, und jetzt lass ich das hier einfach mal so stehen.
Man merkt, dass ich seit August hier nicht mehr geschrieben habe.

Habt eine wundervolle Vorweihnachtszeit und einen schönen Jahreswechsel.
Wir lesen nächstes Jahr voneinander!

Mittwoch, 7. August 2019

Silver hair



In meinem letzten Post, habe ich mich beschwert, dass ich etwas Schwung vermisse.
Manchmal wünschen wir uns eine Bewegung in unserem Leben.
Ein Ausflug in Freizeitpark und einfach in irgendwelche Achterbahn setzen bis man nicht aussteigen kann und sich alles anfängt zu drehen - ununterbrochen.

Krisen sind ein unvermeidbarer Teil in unserem Leben.
Es kommt plötzlich und wir verlieren den Boden unter unseren Füßen.

Mein Schmerz, meine Hoffnungslosigkeit und Angst kamen sehr unerwartet.
Eine geliebte Person zu verlieren tut weh und es tut sicher auch nach einer gewissen Zeit weh. Man gewöhnt sich dran aber die Leere bleibt. Und dennoch ist jede Krise ein Geschenk.
Sarkasmus?
Nein, ich meine es wirklich ernst.
Es bringte positive Wirkungen mit sich.

Ich wurde aus meiner täglichen Gewohnheit rausgerissen.
Ich wurde daran erinnert, was tatsächlich wichtig im Leben ist.
Es hat meine Beziehung gestärkt.
Ich bin dankbarer für das, was ich habe.
Ich wurde gezwungen neue Wege einzuschlagen, auch wenn es etwas unangenehmes für mich war.
Ich wurde auf meine innere Kraft aufmerksam.

Ich war voller Euphorie, als ich mit meiner Familie in den Flieger nach Hamburg stieg.
Flugmodus an.
Wir waren am Flughafen und sollten in die S-bahn laufen, um ein Stück unserem Schiff näherzukommen.
Vor der Bahn habe ich mein Handy angeschaltet und mich traf ein Blitz bis in die Tiefe meines Herzens.
Diese Nachricht jemanden verloren zu haben, mit dem man vor paar Tagen noch gelacht hat, tut einfach weh!
Ich war nicht alleine, mein Mann holte gerade unsere Tickets.
Ich habe davor meine Mozzarellakugel in unsere Babytrage getan. Meine Tasche tat ich in den Kinderwagen und so fuhr ich ihn durch die S-Bahn Tür als diese plötzlich schließte.
Nach dieser Benachrichtigung, war ich wie ohnmächtig und ganz ehrlich? Ich dachte, mein Sohn wäre alleine in dem Kinderwagen ohne mich.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie dramatisch ich der S-Bahn hinterhergerannt bin, bis mein Mann zu mir sprach.
Am Ende war ich unheimlich dankbar, dass mein Sohn an mir dran war und die Problematik mit dem Kinderwagen haben wir ebenfalls schnell geklärt.
So hat unser Urlaub begonnen.
Auch als wir am Schiff angekommen sind, kamen viele Gedanken in mir auf.
Aber ich suchte meine persönlichen Kleinigkeiten, an denen ich mich festgehalten habe damit ich in Trauer nicht versinke.

Das Meer wirkte sich unglaublich beruhigend auf mich aber auch meine ätherische Öle.
An einem Abend hörte ich dieses Lied: I will survive und tanzte dazu.
Der einzige Weg für mich eine Krise dieser Art zu meistern und noch dabei gesund zu bleiben war, die Traurigkeit zuzulassen aber auch zu tanzen und zu singen.
Der Gedanke an die schöne Zeit und die vielen Lektionen, die diese Person uns beschert hat, kann Trost spenden.
Bild könnte enthalten: 4 Personen, einschließlich La Catrina, Personen, die lachen, Nahaufnahme und Innenbereich
,,Sei nicht traurig, dass es vorbei ist, sondern erfreue dich daran, dass du es erleben dürftest''

Der Tod erinnerte mich, dass das Leben vergänglich ist und das hat mich noch mehr dazu aufgefordert zu genießen und glücklich zu sein.

Ich nahm mir die Zeit, um es zu verarbeiten.
 
Obwohl ich noch nicht dazu bereit bin, die Handynummer meiner Oma zu löschen, verleugne ich es nicht, dass nichts geschehen ist.
Ich denke oft an Ihre Sprüche und nicke verstädnissvoll, schließlich konnte ich ihren Argumenten immer einiges abgewinnen.

Montag, 17. Juni 2019

Prison of feelings

Manchmal fühlt man sich überfordert, doch nicht mit den täglichen Aufgaben, sondern mit dem emotionalen Haushalt. In meinem Kopf herrscht Chaos - das Wetterbericht: grau und bewölkt.
Kennst du das? Als wenn in deinem Leben ein plötzlicher Nebel aufkommt und du keine klare Sicht mehr mit deinem Auge fassen kannst?
Du hast kaum Ausgang und bewegst dich nur im selben Bereich? Manchmal fühle ich mich taub, wie nach einem Zahnarztbesuch. Ein Stück Schokolade hilft da immer.
Ich bin bald ganze 12 Monate zu Hause.

Elternzeit.

Habe ich verlernt mich lebendig zu fühlen?
Das Leben zieht an mir vorbei und ich sehe die ganzen Möglichkeiten, die ich innerhalb den letzten 12 Monaten ergreifen konnte, doch ich tat es nicht.
Ich habe es nicht wirklich wahrgenommen.
Oft war es mir egal. Ich hatte eine Hauptaufgabe und dachte, dass alles andere auch kommen wird. Nun nach 12 Monaten, kann ich mit schlechten Gewissen sagen, dass ich diese Zeit gerne besser genutzt hätte.
Eventuell ist es eine Phase? Aber wie lange soll diese noch dauern? Wann darf ich endlich wieder etwas Erfolg in meinem Leben fühlen?
All diese Fragen haben auf meiner Zunge einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Ich öffne wieder eine Tafel Schokolade.
Ich suchte nach einer Leidenschaft.
Ich suchte nach neuer Kraft, Energie und Lebensfreude. Es war mir bewusst, dass ich etwas brauche, womit ich Lust habe, etwas aus vollem Herzen zu tun.
Mein Antrieb in meinem Körper war kurzzeitig auf Flugmodus gestellt.
Wir Menschen brauchen einfach Projekte, Träume und Ziele.
Ich brauchte etwas worauf ich mich schon am Vorabend freuen dürfte.
In einer Welt die sich immer dreht - reinstes Rummel Paradies, ist es manchmal unmöglich einfach stehenzubleiben und zu genießen.
Ich erwische mich immer wieder, wie ich über die Vergangenheit nachdenke und mir Gedanken mache über die Zukunft.
Skuriös... Ich möchte viele Aufgaben in kurzer Zeit schaffen. Stehen bleiben und gar nichts tun?
Ohje, ich glaube, da kommt der große Hammer in meinem Kopf und haut mir gleich eine ordentliche Migräne rein.
Es fehlt mir schwer, mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.
Das ist kein Wunder, früher wollte ich doch immer schneller, höher, weiter sein als die anderen.
Nutze ich diese Zeit für eine kreative Pause, fühlt es sich wiederum für mich wie eine reinste Zeitverschwendung an.
Ziehe ich es durch, habe ich schlechtes Gewissen schon während ich diese Zeit 'genießen' sollte.
Ich denke zu viel nach und fühle zu wenig. Meine Gedanken schreien im Kopf und verdecken die tatsächlichen Gefühle. Es nervt mich, wenn ich so zur irgendeinem Ergebnis gerne kommen möchte.
Es ist unmöglich.

Ich versuche öfters am Tag mich zu erinnern und daran zu denken, dass es okay ist, unproduktive Tage zu haben, die mich nicht weiter bringen, sondern an denen ich einfach nur da bin.
Also werde ich wohl jetzt für eine Weile nur da sein.

Ich bin im Moment faul und es gibt der Zeit keine Beförderung für mich.